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Thema des Monats

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08.03.2017

Zu viel Nitrat – Novellierung der Düngeverordnung

Der Nitrattrend im Grundwasser ist an der Mehrzahl der deutschen Messstellen rückläufig oder gleichbleibend. Doch ein Viertel der Wasserproben weist zu viel Nitrat auf. Nitrat kommt natürlicherweise in allen Böden vor, Verlagerungen sind ein normaler Vorgang. Stickstoff benötigen Pflanzen, um Eiweiße aufzubauen. Der essenzielle Nährstoff wird in Form von Nitrat und Ammonium von den Wurzeln aufgenommen. Bei einer Schadbelastung des Grundwassers mit Nitrat gelten stickstoffhaltige Dünger als Hauptverursacher. Im Gegensatz zu Ammonium ist Nitrat im Boden sehr mobil und wird von den Pflanzen schnell aufgenommen - aber auch leicht verlagert.

 

Wieviel wird gedüngt?


Grafik: Wie viel wird gedüngt: Stickstoff-Mineraldüngerverbrauch in den EU-Ländern 2014/15 bezogen auf einen Hektar der landwirtschaftlichen Nutzfläche, Quelle: IVA-Agrar und Eurostat 2017. 

 

Laut Nitratbericht 2016 des BMUB/BMEL wurden 2014 in Deutschland 100 kg Stickstoff je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche als mineralischer Dünger ausgebracht. Mit Wirtschafts- und organischen Düngern kamen weitere 56 kg N hinzu. 33 kg Stickstoff werden aus der Luft sowie durch N-Fixierung dem Boden zugeführt. Damit standen den Pflanzen auf Acker- und Weideland sowie in Dauerkulturen durchschnittlich 189 kg Stickstoff pro Hektar zur Verfügung. 138 kg wurden mit dem Erntegut wieder vom Feld abgefahren. Das Stickstoffsaldo betrug 52 kg N pro Hektar. 

Verbesserung der Stickstoffsaldi

Zu den Zielen der neuen Düngeverordnung gehört die Verbesserung der Stickstoffsaldi. Dafür soll der N-Bedarf zukünftig individuell pro Ackerschlag ermittelt werden. Pro Ackerfrucht werden N-Bedarfswerte für ein bestimmtes Ertragsniveau festgelegt. Die N-Bedarfswerte entsprechen den bisherigen N-Sollwerten, die für die Versorgung der Pflanze optimale Nährstoffmenge. Für die Ermittlung des Stickstoffdüngebedarfs müssen neben den N-min-Gehalten auch Humusanteil des Bodens, Zwischenfruchtanbau, Vorfrucht sowie eine organische Düngung des Vorjahres berücksichtigt werden. 

N-Bedarfswerte = N-Sollwerte

Nach der Novellierung wird der N-Sollwert für die Zuckerrübe leicht erhöht auf 170 kg N/ha bei einem Ertragsniveau von 65 Tonnen Rübenertrag festgelegt. Mehr Stickstoff bringt der Rübe keine ertraglichen Vorteile. Sie würde zu viel Amino-N einlagern und damit die Zuckerausbeute in den Fabriken erschweren. Maximal zweimal wird zu Zuckerrüben Stickstoff gedüngt. Die erste, oftmals einzige Gabe erfolgt zur Aussaat. Eine zweite Gabe zu Reihenschluss ist auf leichteren Böden mit geringerem Wasserhaltevermögen möglich. Müsste die erste N-Gabe sehr hoch ausfallen, dann kann ebenfalls gesplittet werden. Der N-Bedarfswert/N-Sollwert sollte in der Summe der beiden Gaben nicht überschritten werden. Bei Weizen ist das Nährstoffmanagement vielschichtiger. Der neue N-Sollwert für A- und B-Weizen wird bei 230 kg N/ha für 8 Tonnen Kornertrag festgelegt. Vier Stickstoffgaben zu wichtigen Wachstumsphasen versorgen die Pflanzen entwicklungsunterstützend. Ein weiteres Splitting ist denkbar. Die Witterung kann hier häufiger den optimalen Düngezeitpunkt sowie die N-Aufnahme durch die Pflanze und N-Freisetzung des Düngers im Boden beeinflussen. Zwischenfrüchte im Herbst und Winter vor den Zuckerrüben angebaut, binden Restnitrat im Boden und verhindern die Auswaschung. Die Nitratauswaschungsgefahr ist im Winter am höchsten.

Das Nährstoffmanagement erfordert zunehmende Präzisionsarbeit von den Landwirten. Weniger Stickstoffdünger wird effizienter eingesetzt werden müssen. Dabei spielt neben einer genaueren Versorgungsbewertung des Bestandes auch die Wahl der Düngerform eine Rolle. Die neue Düngeverordnung wird voraussichtlich in diesem Frühjahr verabschiedet und tritt im August/September in Kraft.

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